Warum gibt es oben auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb so wenige Hülen und Bäche, obwohl – bis auf dieses Jahr – eher reichlich Regen fällt? Dieser Frage gingen 42 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem gesamten Alb-Donau-Kreis bei einer Wanderung unter dem Jahresmotto Wasser des Donau-Blau-Gaus rund um Seißen nach.
Bei bestem Wanderwetter führte der Weg zu verschiedenen Wasserstellen und Hülen in und rund um Seißen. Dabei wurde schnell deutlich, warum Wasser auf der Schwäbischen Alb schon immer etwas Besonderes war. Der Jurakalk ist von zahlreichen Rissen und Spalten durchzogen. Regenwasser versickert deshalb rasch im Untergrund und fließt unterirdisch weiter. Oberirdische Bäche und natürliche Wasserstellen sind auf der Albhochfläche entsprechend selten.
Besonders interessant war der Blick in die Erdgeschichte. Auf dem Jurakalk und unter dem Humus finden sich rund um Seißen stellenweise Ablagerungen der Unteren Süßwassermolasse. Sie entstanden Millionen Jahre nach dem Jurameer, als sich hier Seen und Flüsse befanden. Die wasserundurchlässigeren Mergel- und Tonschichten können Wasser stauen und bilden damit örtlich kleine Wasserspeicher. Diese besonderen geologischen Verhältnisse waren eine wichtige Voraussetzung für die Entstehung der Hülenlandschaft rund um Seißen.
Die Wandergruppe erfuhr, welche große Bedeutung die Hülen früher für die Bevölkerung hatten. Sie dienten vor allem als Viehtränken, aber auch als Löschwasserreservoir und in Notzeiten als Wasserreserve für die Menschen. Eine Kuh kann an einem warmen Tag immerhin rund 60 bis 80 Liter Wasser benötigen – bei einer größeren Viehherde kam so täglich eine beträchtliche Wassermenge zusammen. Die Hülen waren damit für die Landwirtschaft überlebenswichtig.
Heute hat sich ihre Bedeutung gewandelt. Die schönen Wald- und Feldhülen sind wertvolle Kleingewässer und wichtige Lebensräume für Amphibien, Libellen und zahlreiche andere Tiere. Gerade in einer Landschaft mit wenigen natürlichen Gewässern sind sie kleine Wasserinseln für die Tierwelt.
Weitere Stationen der Wanderung waren der Dorfbrunnen und das Reservoir. Am Reservoir wurde anschaulich erklärt, wie sich mit der Albwasserversorgung die Wasserversorgung der Menschen grundlegend veränderte. Das Wasser wurde nicht mehr mühsam aus Hülen und Brunnen geholt, sondern über Leitungen in die Häuser gebracht. Das Reservoir sorgte dabei für Wasserspeicherung und den notwendigen Druck im Leitungsnetz. Die Teilnehmer konnten so nachvollziehen, welch enorme Erleichterung die moderne Wasserversorgung für die Menschen auf der Alb bedeutete.
Neben den vielen interessanten Informationen kam aber auch das gesellige Miteinander nicht zu kurz. Die Teilnehmer aus verschiedensten Ortsgruppen des Donau-Blau-Gaus nutzten die Wanderung ausgiebig zum gegenseitigen Kennenlernen und Austauschen. Die Stimmung war von Anfang bis Ende hervorragend, und alle waren sich einig: Eine solche Wanderung verbindet Naturerlebnis, Heimatgeschichte und Geselligkeit auf besondere Weise.
Den gelungenen Abschluss bildete die gemeinsame Einkehr im Jägerstüble. Bei einem guten Essen und angeregten Gesprächen ließ die Gruppe den Wandertag gemütlich ausklingen. Das Fazit fiel entsprechend eindeutig aus: Die Wasserwanderung war ein voller Erfolg – und im nächsten Jahr soll es wieder eine geben.









